Reiz und Risiko Tauchen

 

Tauchen ist ein faszinierendes, aber nicht ganz ungefährliches Vergnügen.

Empfehlenswert sind eine Tauglichkeitsuntersuchung beim Arzt, eine Tauchversicherung und natürlich Vernunft.


EINIGE BEMERKUNGEN ZU DEN GRUNDLAGEN ZUR TAUCHMEDIZIN:

ATMUNGSORGANE

 

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Der Kehlkopf bildet, im oberen Teil des Atemtrakts gelegen, den Übergang vom Rachen zur Luftröhre. Er hat zwei Funktionen.

·         er schützt er die Luftröhre vor Speisestücken, indem er beim Schlucken nach vorne oben gezogen und so der Kehldeckel verschlossen wird.

·         er reguliert  über die Stimmlippen den Strom der Atemluft und erzeugt durch ihre Schwingungen Töne. Er besteht aus drei großen Knorpeln, dem Schildknorpel , dem Ringknorpel , und dem Kehldeckel (Epiglottis), sowie den zwei kleineren Stellknorpeln Innen ist der Kehlkopf mit einer Schleimhaut ausgekleidet.

Durch Verschluß der Stimmritze (Stimmritzenkrampf) ist der Luftweg versperrt. Ein- und Ausatmung ist nicht mehr möglich.

 

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Weitere Anteile des Atemtrakts sind die Luftröhre, die Bronchien  und die Lunge mit den elastischen Fasern und den Alveolen.

Die Atemwege werden auch als Totraum bezeichnet, was nichts anderes heißt, als dass in ihnen kein Gasaustausch stattfindet. Eine Pendelatmung ist eine Atmung bei der die Luft nur im Totraum hin und her bewegt wird. Eine Pendelatmung kann zu einer CO2 Vergiftung durch O2 Mangel führen. Ein überlanger Schnorchel kann zum Beispiel den Totraum so verlängern, dass eine Pendelatmung eintritt.

 

Lunge

*       Sie besteht aus 2 Lungenflügeln, mit rechts 3, links 2 Lappen. Ihre Oberfläche ist mit dem Lungenfell bedeckt. Das Lungenfell geht an der Lungenwurzel in das Rippenfell über. Zwischen dem Lungenfell und dem Rippenfell liegt der Pleuraspalt.

*       Der Gasaustausch mit dem Blutkreislauf findet über die Alveolen (ca. 100 m2 und die Lungenkapillaren statt.

*       Der Unterdruck im Pleuraspalt und die elastischen Fasern des Lungengewebes wirken als Kräfte gegeneinander und verhindern so ein Zusammenfallen (Kollaps) der Lunge.

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Atmung

*       Äussere Atmung:

*   Passage der Atemluft durch die Atemwege bis zu den Alveolen.

*   Der Gasaustausch in den Alveolen findet immer vom Ort der höheren Konzentration eines Gases zum Ort der niederen Konzentration statt. ( Diffusionsgesetz von Henry)

*       Innere Atmung:

*   Energiegewinnung in den Körperzellen unter Verwendung von O2.

Atemregulation

*       Kohlendioxid (CO2) löst den Atemreiz aus. Eine Erhöhung des Partialdruckes von CO2 (pCO2) und führt zu steigender Atemfrequenz und Atemtiefe. Eine

*       Reduktion des pCO2 führt zu sinkender Atemfrequenz und Atemtiefe.

*       Sinkt der pO2 im Blut wirkt dies als Atemreiz ; ebenso Eintauchen in kaltes Wasser. Der Zwang zum Atmen kann auch von der psychischen Verfassung abhängig sein.

*       Dehnungsrezeptoren in den Alveolen begrenzen die Einatmung.


 

Zusammensetzung der Atemluft bei der Einatmung
Gas:    %:    Partialdruck / 1 bar:
Stickstoff N2    78.00 %    0.78 bar
Sauerstoff O2    21.00 %    0.21 bar
Kohlendioxid CO2    00.03 %    0.003 bar
Rest und Edelgase    00.97 %    0.097 bar
Total:     100 %    1 bar
Zusammensetzung der Atemluft bei der Ausatmung 
Gas:    %:    Partialdruck / 1 bar:
Stickstoff N2    78.00 %    0.78 bar
Sauerstoff O   17.00 %    0.17 bar
Kohlendioxid CO   04.00 %    0.04 bar
Rest und Edelgase    00.97 %    0.097 bar
Total:    100 %    1 bar
 

 

Atemvolumen und Luftverbrauch

*       Atemzüge in Ruhe: 16 - 20 / Minute
Atemzugsvolumen: 500 ml

*       Atemminutenvolumen: 8 - 10 l / min.
Kann bis auf 60 l / min. steigen

*       Grössere Tiefen = höheres Atemminutenvolumen

 

 

 

 

Barotrauma

Ein Barotrauma ist eine Schädigung des menschlichen Körpers durch eine Druckdifferenz. Beim Tauchen kann ein Barotrauma in luftgefüllten Hohlräumen entstehen, wenn eine Verbindung zur äußeren Umgebung, also der Aussenluft (mit ihrem normalen Luftdruck von ca. 1 bar) unterbrochen ist. Ein Druckausgleich kann dann nicht mehr stattfinden. Für diese  Ansammlungen von Luft im Körper gilt das Gesetz von Boyle-Mariott, p x v = const,  d.h. das Volumen verändert sich proportional zum Druck. Da sich beim Tauchen der Umgebungsdruck um 1 bar je 10m Wassertiefe erhöht (gegenüber dem 1 bar Luftdruck), nimmt der Druck nahe der Wasseroberfläche relativ am stärksten zu (bei 2 m 1 + 0,2, also 1,2 bar, das entspricht einer 20% igen Druckzunahme!), weswegen das Risiko eines Barotraumas in geringen Tiefen am höchsten ist.

Barotraumen können

1. in der Lunge

Der Lungenriß ist einer der gefährlichsten Unfälle und seine häufigsten Ursachen sind

1.1.    ein Stimmritzenkrampf oder

1.2.    das Luftanhalten beim Auftauchen.

Auch beim Notaufstieg sollte niemals die Luft angehalten werden! Schon der relativ geringe Überdruck von 0,1 bar, der einer Wassersäule von nur 100 Zentimetern entspricht, kann zum Einreißen von Lungengewebe führen. Je nach Lokalisation der überdehnten Lungenbläschen, kann es dabei entweder zu

1.3.    einem Pneumothorax

1.4.    einem Mediastinalemphysem (Luft im Raum zwischen Herz, großen Gefäßen und

            Lunge) oder,

1.5. bei Eindringen von Gasbläschen in das Gefäßsystem, zu einer arteriellen Gasembolie

          (AGE, s. weiter unten) kommen.

 1.3.1. Beim Pneumothorax gelangt Luft in den „Spalt" zwischen Lungen- und Rippen-

           fell (Brustfell) sodass die Lunge zusammenfällt und für den Gasaustausch

           wenig oder überhaupt nicht mehr zur Verfügung steht. Das sofort erkennbare

           Symptom ist Atemnot. Wenn sich ein Ventilmechanismus entwickelt [1] entsteht

           der akut lebensbedrohliche „Spannungspneumothorax".              

           Ein Zusammenbruch des Kreislaufs (sog. cardiogener Schock) mit nunmehr

           massiver Luftnot sind die Folgen und nur eine sofortige Entlastung [2] kann das

           Leben des Betroffenen retten.

 

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[1] bei dem Luft durch den Lungenriss in den ehemaligen „Spalt"-Raum, nunmehr luftgefüllten

  Hohlraum zwischen Brust- und Lungenfell dringt, während die Lunge weiter komprimiert wird

[2] durch Punktion mit einer dicken Kanüle

 

 

1.4.1. beim Mediastinalemphysem führt die in den Raum zwischen Herz, großen

                   Gefäßen, Speise- und Luftröhre und Lungenfell und schließlich unter die Haut

                   und die Weichteile des Halses eingedrungene Luft zu einem unförmigen Auf-

                   blähen des Oberkörpers des Betroffenen („Michelinmännchen")

Wer nun aber der Meinung ist, dass eine gültige Tauchtauglichkeit auch eine absolut gesun-de Lunge bescheinige, ist leider im Irrtum. Auch eine sehr sorgfältige Tauchtauglichkeitsun-tersuchung kann Schwachstellen in der Lunge ohne Spezialuntersuchungen (Spiral-CT) nicht erfassen. Diese Schwachstellen sind Areale, in denen z.B. mehrere Lungenbläschen zu einer großen Blase verschmolzen sind, einer sogenannten

  • Emphysem-Bulla (Blase). Diese angeborene oder auch erworbene Fehlbildung, welche im Lungenröntgen nur zu sehen ist, wenn sie eine gewisse Größe erreicht, kann bei einer
  • Blockade des "Überdruckventils"  Stimmritze  platzen. Diese Blockade kann auch beim Gesündesten entstehen, dann nämlich, wenn es durch das Einatmen von Wassertröpfchen zu einem Stimmritzenkrampf kommt.

Der Hauptgrund für Lungenüberblähungen ist allerdings Luft, die in einzelnen Lungen-abschnitten „gefangen" ist und nicht abgeatmet werden kann. Dieses sog.

  • "Air-Trapping" (gefangene Luft) kann willkürlich nicht beeinflußt werden. Beim Air-Trapping kommt es bei der Ausatmung zu einer teilweisen Verlegung der Atemwege, so dass die Luft aus den betroffenen Lungenbläschen nicht entweichen kann. Passiert dies beim Auftauchen, resultiert daraus eine Überblähung der Lungenbläschen, die schließlich zerreißen. Es können nur
  • einzelne Lungenbläschen betroffen sein, aber auch
  • größere Anteile der Lunge. Die Ursachen für eine solche Verlegung sind mannigfaltig, gehen aber mit einer
  • Einengung der jeweiligen Bronchien und/oder einer "Verstopfung" durch Schleimpfropfen  einher. Ein
  • empfindliches Bronchialsystem, wie bei Allergikern und Asthmatikern, ist Hauptursache des Air-Trapping.  findet. Durch Reize, wie das Einatmen von kalter und trockener Luft kann es zu einem Krampf der Bronchialmuskulatur kommen.[1]

Ein weiterer Grund können

  • Schleimpfropfen sein, die Bronchialabschnitte beim Ausatmen verschließen und ein Air-Trapping verursachen. Schleim hat eine große Bedeutung für die Erwärmung, Anfeuchtung und Reinigung der Atemluft, und findet sich daher ständig in den Atemwegen. Ist die



 

[1] was den Durchmesser der Bronchien einengt.

 

  • Schleimproduktion aber durch eine Erkrankung (wie z.B die sog. „Verkühlung"[1], Bronchitis) erhöht, kann das beim Tauchen zur Gefährdung führen.
  • auch Tabakrauch führt zu einer Vermehrung und Eindickung des Bronchialsekrets bei gleichzeitiger Engstellung der Bronchien, so dass für Raucher eine erhöhte Gefähr-dung für ein Barotrauma der Lunge angenommen werden muss. 
     

[1] viraler, grippaler Infekt mit Husten

 

 

Pneumothorax

Liegt der betroffene Bereich eher am Rand der Lunge, kann Schließlich ist bei einem Lungenriss möglich, dass Gas direkt in das Gefäßsystem eindringt, vor allem in das arterielle System. Die Folge sind Gasembolien in die Organe (kurz AGE = arterielle Gasembolie), wo Gasbläschen die kleinsten Gefäße verstopfen und die Versorgung der Gewebe be- oder verhindern (siehe Grafik links oben). Liegen die Gasbläschen in den Hirngefäßen, führen diese zu Nervenausfällen (einem Schlaganfall ähnlich). Die Symptome können von relativ mild (hängender Mundwinkel, verminderte Kraft in einer Hand) bis zur völligen Lähmung einer Körperhälfte reichen oder zur Bewusstlosigkeit bis hin zum Herz-Kreislaufstillstand des Opfers führen.

Die wichtigste Erste-Hilfe Maßnahme bei Verdacht auf Lungenüberblähung ist neben der Rettung aus dem Wasser die Gabe von Sauerstoff in möglichst hoher Konzentration (100 Prozent). Genau wie bei der Dekompressionskrankheit ist auch die Gabe von Flüssigkeit wichtig (nur wenn der Patient bei klarem Bewußtsein ist!).

Sicher taucht also, wer

  • langsam auftaucht,
  • niemals die Luft anhält und
  • während und nach einer Erkältung nicht taucht.

Barotraumen können aber auch

2. im Ohr bzw. seinen Hohlräumen (Mittelohr, Nasennebenhöhlen , Innenohr/Aussenohr )

          sowie

3. in selteneren Lokalisationen wie

        der Tauchermaske,

        den Zähnen

        der Haut und

        dem Magen-Darmtrakt

auftreten.

        Ein Barotrauma der Maske betrifft v.a. die Augen und präsentiert eine verstärkte Durchblutung oder sogar Einblutungen  der bzw. in die -  weiße - Hornhaut. Schmerzen beim Abtauchen erzwingen den Druckausgleich durch die Nase in die Tauchermaske.

        Rissbildungen in kariösen Zähnen oder, häufiger, in schadhaften Plomben können zu kleinsten Luftansammlungen im Zahn während des Tauchgangs führen. Beim Auftauchen kann sich die Luft nicht rechtzeitig entfalten ( Boyle-Marriott !) so daß Schmerzen auftreten bzw. Zahnteile oder Füllungen / Kronen herausgesprengt werden könnten. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen gehören also auch zur Feststellung der Tauchtauglichkeit.

        Sehr selten treten Barotraumen der Haut auf, wenn beim Tauchen mit einem Trockentauchanzug ohne Unterzieher Luft an der Haut in Falten eingeschlossen wird. "Knutschflecken" sind die sichtbare Folge.

        Wie allgemein bekannt ist, enthält  auch der menschliche Darm etwas Luft. Die Wände des Magen-Darmtraktes sind aber so elastisch, daß Barotraumata dieses Organsystems sehr selten sind. Trotzdem sollte man beim Auftauchen die Luft nicht behindern, die den Körper durch natürliche Öffnungen verlassen will!

 

 

Dekompressionserkrankung (auch Taucherkrankheit oder Caisson-Erkrankung,

                Decompression illness (DCI).

Es handelt sich hierbei um die Symptome, die auftreten, wenn sich aus im Körper physikalisch gelöstem Gas durch zu schnelle Druckentlastung Gasblasen entwickeln („Sektflascheneffekt"). Neben der alten Einteilung der Taucherkrankheit  (DCI = "decom-pression illness") in

  • DCS (="decompression sickness") Typ I und II und
  • arterielle Gasembolie (AGE)

gibt es seit 1991 eine mehr symptomorientierte Klassifikation.  Sie erleichtert die Vergleich-barkeit der verschiedenen Erkrankungstypen untereinander und auch den Verlauf des individuellen Falles.

                                     

akute DCI

      Entwicklung

    Formen (Manifestation(en))

  • progressive
  • statische
  • spontan remittierende
  • als Rückfall auftretende
  • muskulo-skeletale
  • neurologische
  • pulmologische
  • dermatologische
  • lymphatische
  • audio-vestibuläre
  • körperlich bedingte

So sind z.B. "Bends" eine akute statische muskulo-skeletale Dekompressionserkrankung.                                                                                                                              Diese Erkrankung gehört zu den häufigsten Tauchererkrankungen; trotzdem ist bei Minimierung oder Vermeidung von Risikofaktoren und einem sicheren Tauchstil das Risiko  für den Taucher gering. Die Pathophysiologie bei der DCI sind komplex und noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Prinzipiell muss man unterscheiden in welchem Organsystem es zur Blasenentstehung gekommen ist. Außerdem führen Bläschen, die in Gefäßen entstanden oder eingewandert sind, fernab ihres Entstehungsortes zur Gewebsschädigung im Sinne einer Embolie.

Grundlage der Entstehung von Gasblasen bei der DCI  ist das Henry´sche Gesetz, welches die Gasaufnahme im Körper des Tauchers erklärt. Von den Teilgasen der Umgebungsluft die beim Presslufttauchen eingeatmet werden, spielt der Stickstoff die entscheidende Rolle, da er im Stoffwechsel nicht verarbeitet wird, im Gegensatz zum Sauerstoff. Man nennt so ein Gas "Inertgas". Beim Auftauchen, also bei abnehmendem Umgebungsdruck wird das gelöste Gas wieder in den Gaszustand übergehen. und über die Lungen abgeatmet. Bei zu schnellem Druckabfall, entsprechend einem zu schnellen Aufstieg, besteht die Gefahr der Stickstoffblasenbildung, vergleichbar dem Öffnen einer Mineralwasserflasche. Die im Körper des Tauchers ausperlenden Gasblasen können je nach Entstehungsort zu verschiedenen Schädigungen führen. Man unterscheidet zwischen Gasblasen die

1.       in den Blutgefäßen ("intravasculäre Blasen") entstehen und

2.       solchen die im Gewebe ("stationäre Blasen") auftreten; letztere können auch in die Gefäße wandern, solange sie noch klein sind.

Eine Entstehung arterieller Gasblasen ist aufgrund des Druckes in den Arterien [1]   eher unwahrscheinlich und kommt wahrscheinlich nur bei extremer Dekompression vor. In Venen kommt es jedoch sehr leicht zu

        primärer Blasenbildung oder aber auch

        über eine Einschwemmung von Blasen aus den Kapillaren [2] , dem Lymphsystem oder

         dem Gewebe in die Venen.


[1]  der beim Blutdruckmessen erfasst wird!

[2] kleinsten Blutgefässen zwischen Arterien und Venen, welche den Sauerstoff-, Kohlendioxid- und Nährstoffaus- tausch zwischen dem Gewebe und dem Gefäßsystem bewirken

 

 

Vereinzelte Gasblasen im venösen System sind nicht schädlich.  Bei jedem Tauchgang entstehen  sog. Microblasen und werden über die Lunge abgeatmet. Erst beim Übertritt in das arterielle System besteht ein hohes Risiko einer DCI, da die Blasen dann als "Gasembolie" bevorzugt die Gehirnarterien verstopfen und die dadurch entstehenden Gewebeschäden zu neurologischen Ausfällen vom leichten Hängen eines Mundwinkels (Gesichtsnervenlähmung) bis zu Lähmungen von Armen und/oder Beinen reichen können.

Die durch die Gasblasen hervorgerufenen Schäden entstehen durch

  • mechanische Gewebszerreißung oder Gewebekompression aber auch durch Gefäßverschluß bei  intravasalen Blasen mit direkten Schäden an der Gefäß-innnenhaut (Endothel).
  • Außerdem gibt es indirekte Gewebeschäden, welche als Reaktionen des Körpers auf die beschriebenen direkten Schäden auftreten. Gasblasen stellen nämlich einen Fremdkörper für das menschliche Immunsystem dar und führen deswegen zu
  • einer Aktivierung der Gerinnungskaskade mit „Zusammenballen" von

          Blutplättchen bis zur Thrombose und ev. Embolie fernab vom primären Gschehen,

 

•·                   zur Stimulierung des Immunsystems

•·                   zu erhöhter Gefäßdurchlässigkeit mit Ödembildung

Die im Gefäß steckengebliebene Gasblase löst neben dem Gerinnsel (Thrombose) die Sekretion von Botenstoffen (Mediatoren) wie Histamin und Bradykinin aus die zu Beschwer-den  wie Juckreiz, Schmerzen, und Schwellung führen. Gleichzeitig bildet sich durch diese Mediatoren ein Ödem, das die Durchblutung weiter verschlechtert.

 

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Je nach Schwere und betroffenem Organsystem sind die Symptome unterschiedlich. Zu den häufigsten gehören unspezifische wie starke Müdigkeit, Hautjucken, Gelenkschmerzen, Schwindel, Gehör- und Nervenausfälle; in schweren Fäll en treten Luftnot und Brustschmer-zen sowie Bewußtlosigkeit auf. Klassischerweise kommt es zu Beschwerden innerhalb weni-ger Stunden nach dem Auftauchen;  manchmal können aber auch Stunden oder Tage ver-gehen, sodass die Behandlung verzögert wird oder aber, und das ist sehr häufig, die Symptome mit dem Tauchen gar nicht in Zusammenhang gebracht werden.

Manchmal kann es auch beim Heimflug [1] zum Auftreten von Symptomen kommen. Dies ist eine besonders schwierige Situation[2], da sie ja ein Fliegen in niedrigen Höhen oder gar eine Zwischenlandung zu einem nicht vorhergeplanten Zeitpunkt erforderlich macht. Dies ist auch der Grund warum 24h vor dem Fliegen nicht getaucht werden soll.

Die optimale Therapie der DCI besteht in der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO), sowie, überbrückend in der Applikation von 100%-tigem, normobaren Sauerstoff und Maßnahmen wie Flachlagerung und Flüssigkeitssubstitution. Die Gabe von Acetylsalicylsäure(ASS) und / oder Cortison ist umstritten. 

Als wichtigste Therapiemaßnahme noch am Unfallsort ist, die Atmung von reinem Sauerstoff bis zum Einlangen in die Druckkammer. Jedes Tauchboot muss daher Sauerstoff mit  an Bord führen.

Das Hauptproblem ist allerdings neben der raschen Durchführung der Therapie (reiner Sauerstoff bis zur Druckkammer und dann Behandlung je nach Schwere des Falles entsprechend den Tabellen), v.a. das Erkennen der Symptome. Viel zu häufig werden Beschwerden vom Taucher selbst oder vom Tauchlehrer/Basenleiter nicht ernst genommen oder fehlinterpretiert und so die Rettungskette verzögert.

Insofern soll

        jeder Verdacht auf einen Tauchunfall wie ein sicherer Tauchunfall behandelt werden

        es gibt keine Kontraindikation für normobaren O2 da dieser unschädlich ist!

        Sauerstoff soll bis zum Erreichen der Druckkammer verabreicht werden!

Generell lassen sich bezüglich des DCI-Risikos folgende Aussagen treffen:

Je tiefer und länger der Tauchgang, je größer die Vorsättigung (vorherige Tauchgänge, Risikofaktoren) und je schneller der Aufstieg desto größer ist das Risiko des Auftretens einer DCI. Direkt das Tauchen betreffende Risikofaktoren sind

        ein oder mehrere Tauchga(ä)ng(e) über 30m Wassertiefe

        ein oder mehrere dekompressionspflichtige Tauchgänge

        nicht eingehaltene Dekompressions-Pausen

        Wiederholungstauchga(ä)ng(e)

        Fliegen nach dem Tauchgang

Individuelle Risikofaktoren sind

  • Alter
  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • erhöhte Blutviskosität bei Dehydratation (verschlechterte Blutfliesseigenschaften bei Wassermangel, d.h. ausreichend trinken vor und nach dem Tauchgang!)
  • schwere körperliche Belastung vor oder während der Überdruckexposition
  • Kälte
  • vorangegangene DCI´s
  • Verletzungen
  • Alkoholgenuß vor dem Tauchen
     

[1] der ja bei Kabinendruck, also niedrigerem Luftdruck als auf Meereshöhe, stattfindet,

[2] für den Betroffenen, und das gesamte Flugzeug

 

 

Beinahe-Ertrinken (near drowning)

Ertrinken ist definiert, als Tod durch Ersticken in einer Flüssigkeit. 86 % der tödlichen Tauchunfälle haben Ertrinken als Ursache.  Von Near-Drowning, beinahe ertrinken, spricht man, wenn der Verunfallte noch rechtzeitig vor Todeseintritt gerettet wird, bzw. nach dem Ertrinken erfolgreich wiederbelebt werden konnte. Da hier aus den verschiedensten Gründen weiterhin eine lebensbedrohliche Situation besteht, ist eine Krankenhausbehandlung nach der Wiederbelebung zwingend erforderlich. 11% der stationär behandelten Beinahe-Ertrunkenen sterben noch an den Folgen des Ertrinkungsunfalls.

Der Ertrinkungsvorgang selbst läuft nach einem bestimmten Schema ab, welches im Atemstillstand endet. Je eher dieser Ablauf durch äußere Hilfe unterbrochen werden kann, desto besser sind die Chancen auf komplette Heilung.

Man unterscheidet zwischen trockenem bzw. nassem Ertrinken, je nachdem ob Wasser aspiriert wurde. Aspirieren nennt man den Vorgang des "Einatmens" von nicht gasförmigen Stoffen in die Lungen, wie z.B. Wasser. Da die max. Wassermenge auch beim nassen Ertrinken gering ist (max. 200-300 ml), hat die Unterscheidung zwischen Süß- und Salzwasseraspiration keine Bedeutung. Bedeutung hat jedoch die Keimpopulation des Wassers in dem Verunfallte das near drowning erlitt.

Nach der Bergung des Verunfallten und evtl. Wiederbelebungsmaßnahmen ist der Betroffene auch bei völliger Beschwerdefreiheit in einem Krankenhaus für mindestens 24h zu überwachen um das gefürchtete sekundäre Ertrinken (eine Art Lungenödem) erkennen und rechtzeitig behandeln zu können.

Bei der Wiederbelebung (Reanimation) der meist stark unterkühlten Ertrunkenen gilt

"NO ONE IS DEAD UNTIL HE IS WARM  AND  DEAD!"